kaefer-im-monitor-1Früher war alles besser. Bei mir zumindest. Oder wenigstens manchmal. Bugs kannte ich jedenfalls nur wegen Bunny. Oder aus den lustigen Leim-Streichholz-Experimenten auf dem Spielplatz. Oder aus den lustigen Sonne-Leselupe-Experimenten im elterlichen Garten. Ich war ein ganz normales Kind, Insekten waren mir wehrlos ausgeliefert die Welt war in Ordnung.

Später lernte ich neue Bugs kennen. Hartnäckige, unsichtbare Biester, die innerhalb eines Augenblicks ganze Armeen in einen blauen Bildschirm, mühevoll erschaffene Imperien in die Knie zwingen, furchtlose Helden mitten im Sprung vom Netz trennen oder vor den lang und mühsam erarbeiteten, stolzen Kontostand einfach ein Minuszeichen setzen konnten. So geschehen bei MadTV, in einer bis heute unvergessenen Nacht. Wie es sich für einen stilechten WTF!-Moment gehört, hatte ich vorher stundenlang nicht gespeichert. Bugs in Spielen, höchst unangenehmes Zeug.

Doch zurück zu den Gartenbugs. Sie haben nicht vergessen. Nicht verziehen. Sie lauerten irgendwo da draußen, die ganze Zeit. Sie haben über viele, viele Generationen geplant, beraten, getüftelt und spioniert. Sie haben bittere Rache genommen. Einer ihrer V-Käfer wurde, zunächst getarnt als Pixelfehler, erfolgreich in meinen Monitor eingeschleust.

In meinen Monitor, verdammte Scheiße!


Ich hielt ihn für einen kleinen Schmutzfleck. Bis mein Fingernagel signalisierte, dass da nichts ist. Ich erschrak, weil ich ihn für einen riesigen Pixelfehler hielt. Und ich schrie, als sich der Pixelfehler plötzlich in Bewegung setzte. Er hängt nun seit drei Tagen dort ab, wo sonst nur die Polygonsonne scheint. In diesem Augenblick „ziert“ er das letzte „r“ im kopftreffer.de-Schriftzug da oben. Und er grinst überlegen, das weiß ich genau.

Warum ich ihn hasse? Meine Güte, er wohnt in meinem Monitor! Und er lässt sich nicht zu Tode quetschen. Zumindest nicht, ohne auch meinen Bildschirm dabei zu töten. Er spielt in Texten den Idiotenapostroph. Er betont Worte absichtlich fálsch. Fálsch, versteht ihr? So sieht das jetzt bei mir aus. Furchtbar. Das habe ich einfach nicht verdient.

Wir haben uns stillschweigend darauf geeinigt, dass er so lange dort drin bleiben darf, wie er will. Während ich in dieser Zeit Zornesröte kultiviere, Blogposts wie diesen verfasse und ihn abgrundtiefst verachte. Ich habe übrigens Freunde, die sich im Anbieten von unnützen, gemeinen Tipps gegenseitig übertreffen [1] [2] [3] – als ob die Lage nicht schon schlimm genug wäre.

Vielen Dank, Mutter Natúr.