52-games-rageEin Beitrag zum Blogprojekt 52 Games, nur leicht verspätet zu Thema #1: Neubeginn.

Zu RAGE hatte ich bis vor kurzem ein gespaltenes Verhältnis. Ursprünglich versetzte mich bereits die Ankündigung eines neuen Spiels von id Software in einen Zustand freudiger Erregung. Viele Wochen später beging ich allerdings den Fehler, die dazu gehörige Xbox 360 Demo zu laden.

Ich war nichtmal enttäuscht, ich war eher … naja, doch …. ich war enttäuscht. Das sollte RAGE sein? Klar, es sah schon irgendwie so aus wie in den Trailern. Screenshot-Motive waren ebenfalls zu erkennen, deutlich sogar und doch: Irgendwie hatte ich mir das alles ganz anders vorgestellt. Atemberaubend schön, nämlich. Ja ja, ich gebe offen zu: Ich wollte und erwartete vor allen Dingen, dass mich RAGE in Sachen Präsentation aus den Socken bombt. Tat es aber nicht. Darüber hinaus – und im Nachhinein nichtmal unerwartet – schaute ausgerechnet in hier meine Pad-Behinderung mal wieder vorbei, ein Krankheitsbild, welches von Spiel zu Spiel unterschiedlich stark bis gar nicht auftritt. Ich bin mit Maus und Tastatur groß geworden, alte Genrehasen wissen Bescheid. RAGE wollte mich also nicht, es verwehrte sich mir, auf allen nur erdenklichen Ebenen.


Irgendwann gegen Ende letzten Jahres wurde ich dann aber doch noch schwach und kaufte die PC-Version für wenig Geld. Als trauriges Icon hing es erstmal recht lange ungespielt in meiner Steam-Bibliothek herum, bis ich vor kurzem Skyrim starten wollte mich versehentlich verklickte. Das war gelogen. Der id-Fanboy in mir wollte RAGE einfach mal im Windowskleid sehen, hatte plötzlich wieder Lust auf Endzeit, auf WASD, auf Kopftreffer (ha!) per Mausklick und auf das fauchende Lüftergeräusch einer unvorstellbar hart arbeitenden Grafikkarte. So fand ich mich kurze Zeit später im Ödland wieder. Und in was für einem!

Dem Thema zuliebe möchte ich zu Spielmechanik und Inhalt nicht viele Worte verlieren, dafür gibt es jede Menge Tests und Meinungen da draußen. Zwar werden diese, abgesehen von wenigen Ausnahmen, dem Spiel kaum gerecht. Wenn man jedoch weiß, das RAGE nie mehr sein wollte, als ein Ego-Shooter mit durchaus sinnvollen, genrefremden Elementen, kann man eigentlich kaum enttäuscht werden. Und als mich der Typ mit der hässlichen Brille gleich zu Beginn nach Wellspring eskortiere, wurde mir schlagartig klar, dass hier die Plattform den Unterschied macht. Für mich zumindest. RAGE will, nein, es braucht 1.920 mal 1.080 Bildpunkte, es will auch, dass alle Gfx-Regler nach ganz rechts geschoben werden und das man ihm einen Texturcache in Swimmingpoolgröße gewährt. Endlich laufe, renne, ballere und fahre ich genau dortin, wo ich will und erst jetzt, durch das Zusammenspiel von Steuerung, Optik und Soundtrack wird aus RAGE das, was ich mir so sehr gewünscht hatte: id Software in Höchstform, unkomplizierter, gewalt(tät)iger Spaß für Stunden. Mit einem Spiel, welches beinahe durch mein zeitweise aktiviertes Grafikhurenraster gefallen wäre…

Wegen unzähligen, lieblosen Portierungen, tiefblauen Bildschirmen und bizarren Treiberfehlern hätte ich nie gedacht, dass ich das nochmal sage, aber: Gott sei Dank gibt es eine PC-Fassung! Die ermöglichte mir den zufriedenstellendsten Neubeginn der letzten Monate. Und das war ja schließlich das Thema.