Ein PC Spiel, so so. Wahrhaft nichts außergewöhnliches, könnte man meinen. Wenn dieser pathetische Satz aber aus dem ersten Trailer zu Star Citizen stammt, dem Spiel, mit dem ein gewisser Chris Roberts zu seinen Wurzeln, der Spielebranche, zurückkehrt, sieht die Sache schon ein wenig anders aus. Helme entstauben, Gurte anlegen und auf Schnappatmung einstellen!


Richtig gelesen, Chris „Wing Commander“ Roberts ist wieder da. Hier, bei uns, wo er verdammt nochmal hin gehört. Und er ist gekommen, um uns zu geben, was wir erwarten. Über seine Versuche, in der Filmbranche Fuß zu fassen, sollen andere Menschen berichten, 2014 (so sagt man) wird erstmal der totgesagte PC-Weltraum wiederbelebt. Und wie!


Seit etwa einem Jahr arbeitet Cloud Imperium Games, Roberts’ neue Firma, an diesem Projekt. Ich werde jetzt niemanden mit endlosen Featurelisten und technischen Details bombardieren, dafür wurde an anderer Stelle viel Zeit in lange Artikel investiert und diese dürfen auch gern konsultiert werden [1] [2] [3]. Kurz: Man verspricht ein Open-World-Universum ohne Grenzen und Ladebalken. Freie, von den Spielern bestimmte und gelenkte Wirtschaft. Handel und Piraterie. Regelmäßig nachgereichte, neue Sprungpunkte in neue Sonnensysteme. Eine ausufernde Singleplayer-Kampagne (Squadron 42), die wahlweise auch im Koop-Modus gespielt werden kann. Keine monatlichen Gebühren, kein Free2Play/Pay2Win Geschäftsmodell. Und natürlich: Action, Action, Action. Na, aufgeregt?

Fakt ist, dass Roberts die Cry Engine 3 nutzt, um sein neues Spiel auf die Bildschirme zu bringen. Damit steht fest, dass wir spätestens zum Release-Termin von Star Citizen alle neue Rechner benötigen. Kinder der 1990er erinnern sich: Schon Origin Systems (unter deren Flagge Roberts seine größten Erfolge feierte) war dafür berüchtigt, mit jedem veröffentlichten Spiel die zu diesem Zeitpunkt aktuelle Hardware abzufackeln. Und Apropos Hardware: Roberts’ Meinung nach sind selbst die Konsolen der kommenden Generation nicht leistungsfähig genug, seine Vision eines persistenten, simulierten Weltalls adäquat wiederzugeben, daher wird Star Citizen ein PC-exklusiver Titel sein.



Strich drunter: Das Beste aus Wing Commander, Privateer, Freespace und StarLancer. Die Rückkehr eines verloren geglaubten Designers, der in seiner einstündigen Präsentation auf der GDC 2012 oraktelt, PC-Gaming sei die Zukunft. Ideen, Ankündigungen und nicht zuletzt live gezeigte Spielszenen, die altgedienten Kilrathi-Jägern Freudentränen unter’s Visier treiben. Was soll jetzt noch schief gehen?

Nun, zum Beispiel die Finanzierung. In erster Linie benötigt Herr Roberts Geld. Viel Geld. Unser Geld. Große Publisher und Investoren sind lt. seinen Aussagen nur noch an Social- oder Mobile-Games interessiert, kommt einer mit „PC“ und dann auch noch mit „Weltraum“ um die Ecke, suchen die alle schleunigst das Weite. Um Star Citizen zu dem Spiel zu machen, welches versprochen wird, fehlt allerdings noch ein riesiger Haufen Cash. In Zahlen: Mindestens 2, besser jedoch 5 Millionen. US-Dollar. Per Schwarmfinanzierung. BÄM! Alle mal bitte die Hosentaschen leeren, um der alten Zeiten Willen…

Entgegen dem Trend der letzten Monate, Kickstarter für das allgegenwärtige Crowdfunding zu nutzen, soll das Geld der Fans direkt über ROBERTS SPACE INDUSTRIES, der offiziellen Webseite zum Spiel, zusammengetragen werden. Ab $10 ist man dabei, viel mehr als ein digitaler Schulterklopfer springt dafür aber nicht raus. Sinnvoller erscheinen mir Summen ab $35, dann gibt’s das fertige Spiel per Download, Zugang zu Alpha- und Beta, sowie einige Ingame-Gimmicks. Die wählbaren Beträge werden dann schrittweise höher – mehr zahlen, mehr bekommen – wie gehabt. Für Wahnsinnige, Ölmultis und/oder Lottogewinner: Die $10.000 Pledge gewährt euch unter anderem ein Ingame-Raumschiff, welches den eigenen Namen trägt. Das ist doch mal was …. diese „Ehre“ ist allerdings nur begrenzt verfügbar, immerhin wurden schon 1 von 10 davon verkauft, wie man hier sehen kann.

Und jetzt? Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass genügend Leute bereit sind, für etwas zu zahlen, was (bestenfalls) in zwei Jahren ausgeliefert wird. Wir wissen alle, wie gut sowas funktionieren kann, Double Fine extrahierte für sein Adventure satte $3.336.371 anstatt der ausgeschriebenen $400.000 aus den Fans und die Liste ist wesentlich länger. Aktuell ist Obsidians Project Eternity drauf und dran, den Thron des erfolgreichsten fanfinanzierten Spiels zu besteigen.

Für Star Citizen bleiben noch 25 Tage, sich mit einem kleinen Vorschuss zu beteiligen. Momentan stehen 718.571 der mindestens benötigten 2.000.000 auf dem Zähler…

Bei GameStar schrieb jemand sinngemäß: „Ich gebe Mr. Roberts meine Kohle, damit er sich seinen Traum erfüllen kann. Einen Traum, der sich anhört, als wär’s meiner…“

Das unterschreibe ich. Komplett.